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Der Forst Rüthi-Lienz im Wandel der Zeit

 

Seit 20 Jahren ist Revierförster Sascha Kobler mit seinem Forstteam zuständig für die Pflege und die Bewirtschaftung des Forstgebietes Rüthi-Lienz. Das sehr steile und 384 Hektaren grosse Betriebsgebiet mit 85% Schutzwald stellt hohe Anforderungen an die Forstarbeiter.

 

Bis in die 50er Jahre war es in unserer Gegend weit verbreitet, dass die Kinder nach der Schule in den Wald geschickt wurden, um Feuerholz zu sammeln. Holz war ein überaus wertvolles Gut, zu dem jeder Bewohner Zugang hatte – auch wenn dieser keinen eigenen Wald besass. «In einem Reglement war festgelegt, an welchen Tagen in den öffentlichen Wäldern Leseholz gesammelt, wieviel und welches Holz mitgenommen werden darf», erklärt Revierförster Sascha Kobler.

 

Früher zu saubere Wälder

Die Menschen räumten die Wälder teilweise so sauber auf, dass kaum mehr Totholz zu finden war. «Das hatte zur Folge, dass manche Wälder regelrecht verarmten, weil zu wenig natürlicher Dünger für die gesunde Entwicklung der Bäume vorhanden war». Es war die Aufgabe des Försters, diese zu beaufsichtigen. Bereits damals wurde ein Wirtschaftsplan für die Wälder erlassen, welcher zum Beispiel vorschrieb, dass nicht mehr Holz aus dem Wald genommen werden darf als nachwächst. Im öffentlichen Wald im Gebiet Rüthi-Lienz waren dies (und sind es noch heute) 2000 Kubikmeter Holz jährlich, die geerntet werden durften.

 

Die Tatsache, dass Holz im Jahre 1900 teurer war als heute, überrascht nur kurz. Grund für die hohen Preise war nämlich vor allem die schlechte Erschliessung der Wälder, sodass die Holzernte mit einem immensen Aufwand und viel Schweissarbeit verbunden war. Heute ist der Holzpreis, mit immer besseren technischen Hilfsmitteln bei der Ernte, eher sinkend.

Über viele Jahre hinweg wurden die öffentlichen Wälder von Rüthi und Lienz von Förster Albert Hasler beaufsichtigt. Wenn Arbeiten zu verrichten waren, suchte er im Dorf die nötigen Hilfskräfte und stellte diese für eine bestimmte Zeit im Akkord ein. Mit den Jahren wurde es immer schwieriger, Leute zu finden, die bereit waren, die beschwerlichen Arbeiten im Wald zu verrichten.

 

Gemeinsame Bewirtschaftung

So wurden in den Gemeinden nach und nach Forstwarte ausgebildet und fest angestellt. Sascha Kobler war der Lehrbub von Albert Hasler – und er war sein Wunschkandidat, wenn es um seine Nachfolge als Revierförster ging. Für dieses Ziel arbeitete Albert Hasler noch ein halbes Jahr über seine Pension hinaus weiter. So lange dauerte es noch, bis Sascha seinen erfolgreich errungenen Fähigkeitsausweis als dipl. Förster HF in der Tasche hatte. Die Tinte auf dem Diplom war kaum trocken, als er im Jahre 1998 ins Amt gewählt wurde. Kurz darauf nahm Sascha Kobler sein erstes Projekt als Revierförster in Angriff: Die Zusammenlegung der Wälder der Ortsgemeinde Rüthi und der Rhode Lienz und die Gründung der Forstgemeinschaft Rüthi-Lienz.

Mit der Anschaffung des Forstschleppers HSM 704 im Jahre 2006 erhielt die Effizienz und Schlagkraft der inzwischen fünfköpfigen Forstgruppe einen weiteren grossen Schub.

 

«Das 384 Hektaren grosse Betriebsgebiet ist (mit Sennwald) das steilste zwischen Landquart und Bodensee», sagt Sascha Kobler,«und die Bewirtschaftung dieses Gebietes stellt hohe Anforderungen an die Forstarbeiter.» Zudem seien 85 Prozent des Waldes Schutzwald. «Vieles ist hier noch Handarbeit, was im Talgebiet mit Maschinen bewältigt werden könnte.» Die jungen Berufsleute wanderten deshalb nach der Lehre oft ab in andere Branchen oder in einfachere Forstbetriebe, bedauert er.

 

Jungwaldpflege für die Zukunft

Für die Pflege und den Unterhalt der Schutzwälder gibt es vom Bund genaue Vorschriften, wofür er entsprechende Subventionen entrichtet. Bei der Jungwaldpflege decken die Zahlungen jedoch nur rund 40 Prozent der Kosten. «Den Rest müssen wir als Investition in die Zukunft verbuchen», sagt der Revierförster. Der Jungwald sei viele Jahre zu kurz gekommen und es herrsche Nachholbedarf. Deshalb nimmt diese Aufgabe heute rund einen Viertel des Arbeitsvolumens der Forst AG ein. Rund 30 Prozent der Zeit wird zudem für die sehr willkommenen Drittarbeiten auf-gewendet, z.B. in Gärten oder Privatwäldern.

 

Unterwegs mit dem Feldstecher

In den 28 Jahren, in denen Sascha Kobler bereits im Dienst von Natur und Wald steht, hat er gelernt, dass man von der Natur vieles abschauen und damit Einsätze sehr effizient gestalten kann.

Erfahrungen aus Waldbauprojekten hätten zum Beispiel gezeigt, dass junge Bäume vitaler sind als ältere. Oder dass hier zu Lande künftig mehr Eichen angepflanzt werden sollen, da diese die Trockenheit besser ertragen, erklärt er. Trockenheit schwächt den Wald, deshalb können die Rottannen dann auch vermehrt von Borkenkäfern befallen werden.

Früh morgens beobachtet Sascha vom Mittleren Büchel aus regelmässig «seine» Wälder mit dem Feldstecher und kann eine kranke oder von Borkenkäfern befallene Fichte inmitten des Waldes erkennen. «Ich gehe dann vor Ort und wenn der Baum krank ist, wird er sofort gefällt», erklärt er. Schon nach zehn Tagen könne sich ein Schädlingsbefall nämlich enorm ausbreiten, so der Profi.

 

Alle ziehen am selben Strick

Seit dem 1. Januar 2014 besteht die Forst Rüthi-Lienz als Aktiengesellschaft und bewirtschaftet das Waldgebiet Rüthi-Lienz in Pacht. Neben der Orts- und Politischen Gemeinde Rüthi und der Rhode Lienz ist seit kurzem auch die Stadt Altstätten Aktionärin. Als AG hätte man weniger Bürokratie und sei flexibler. Ein weiteres Plus ist für den Geschäftsführer die gute Zusammenarbeit mit den Aktionären, die alle am selben Strick ziehen und er sich so auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren könne.

Und das ist ganz im Sinne der Bewohner, die sich so eines intakten und gut gepflegten Schutzwaldes erfreuen dürfen. Auch wenn – oder gerade weil – dieser nicht mehr so sauber aufgeräumt ist wie damals, als viele Dorfbewohner unterwegs waren, um Holz für die warme Stube zu sammeln.

 

Heidy Frei