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Am Anfang war die Aussicht auf einen lockeren Winter

 

Im November 1979 gründen die beiden Cousins und Zimmerleute Niklaus und Karl Heeb aus Lienz ihr eigenes Zimmerei- und Forstunternehmen. Die beiden machen sich einen guten Namen und arbeiten etwa hälftig im Wald und als Zimmerleute auf dem Bau.

Im Jahre 2006 übernimmt die nächste Generation, als Karl‘s Sohn Othmar in den Zimmereibetrieb einsteigt. Othmar Heeb bildet Lehrlinge aus und kann dank einem guten Netzwerk auf ein breites Know-how zurückgreifen. Er begleitet die Kundschaft bei einem Bauvorhaben gerne von der Planung an, damit die optimale Lösung gefunden wird.

 

Es ist Anfang Oktober 1978, als der Arbeitgeber der beiden Lienzer Zimmerleute Niklaus und Karl Heeb in Konkurs geht und die beiden sozusagen auf der Strasse stehen. Karl Heeb hat eigentlich bereits eine neue Arbeitsstelle in Sicht, die er jedoch nie antritt. Vielmehr gewinnen die beiden Cousins zunehmend Gefallen an der Idee, einen lockeren Winter vor sich zu haben. Ski fahren zu können, wenn das Wetter dazu einlädt und zu holzen – alles nach eigener Regie. «Arbeit gab es damals mehr als genug», sagt Karl Heeb rückblickend und das Risiko sei deshalb überschaubar gewesen. Der Plan wird also umgesetzt. Die beiden geniessen es, ihr eigener Chef zu sein und merken schnell, dass ihr Plan funktioniert.  Am 1. November 1979 gründen Niklaus und Karl Heeb offiziell ihr eigenes Unternehmen – die N.+K. Heeb, Zimmerei-Forstarbeiten.

Mit verschiedenen Holzkursen bilden sich die Geschäftspartner weiter und erwerben einen Forsttraktor. Bestens ausgerüstet lassen sie sich fortan für Arbeiten im Wald und dem Strassenbau, in der Aufforstung und auf dem Bau als freie Mitarbeiter anwerben.

 

Eingespieltes Team

Für Revierförster Albert Hasler und die damals neu gegründete Forstgemeinschaft Rüthi - Lienz sind Niklaus und Karl Heeb während vielen Jahren fachlich bestens eingespielte und zuverlässige Mitarbeiter. «Wir waren ein sehr gutes Team und jeder konnte sich zu jeder Zeit hundertprozentig auf den anderen verlassen», sagt Karl Heeb. Besonders bei Forstarbeiten im Wald sei das von entscheidender Bedeutung.

Etwa hälftig sind die Arbeiten in Forst und Zimmerei aufgeteilt. Man nimmt auch Arbeiten ausserhalb des Rheintals an. Sei es zum Aufräumen von Sturmholz im Akkord oder für Zimmereiarbeiten aller Art. Aus dem Sturmholz des Sturmes Vivian im Jahre 1990 in Wildhaus errichten die Cousins ihre Werkstatt am Käsereiweg.

 

«Wir können das!»

Der grösste Auftrag des Unternehmens kommt im Jahre 1992 ins Haus. Der Stall von Erwin Ruppanner, der 1988 aus unbekannten Gründen abbrennt, soll zwei Jahre später wieder aufgebaut werden. Es geht um den ganzen Bau, nicht nur um die Holzarbeiten. «Das können wir!», ist für Niklaus Heeb klar. So errichtet der Lienzer Zimmereibetrieb nahezu den kompletten Stall. «Chläus war unser Zugpferd – ein super Zimmermann von der Planung bis zur Ausführung», sagt Karl Heeb.

Dank guter Mund zu Mund Propaganda sind Niklaus und Karl denn auch immer gut mit Arbeit versorgt. «Wir hatten einen guten Namen und die Leute vertrauten uns», so Karl. Die Arbeiten werden damals eigentlich immer in Regie abgerechnet, nach einer Offerte vorab fragt fast niemand. Der bürokratische Aufwand sei deshalb geringer gewesen, als das heutzutage der Fall ist.

Marie-Rose Heeb, die Ehefrau von Niklaus, unterstützt die Zimmerleute während all den Jahren und erledigt die administrativen Aufgaben.

Chläus sei sehr gewissenhaft gewesen und er habe immer gesagt: «Wer sich zu oft in Gefahr begibt, kommt in der Gefahr um», erinnert sich Karl Heeb.

Nach dem tragischen Arbeitsunfall von Niklaus ist nichts mehr so, wie es einmal war und die jahrelange freundschaftliche Zusammenarbeit findet ein abruptes Ende. Es folgt eine schwierige und schmerzhafte Zeit. Karl hört mit dem Holzen auf.

 

Junge Generation übernimmt

Ein Jahr später steigt Sohn Othmar in den Zimmereibetrieb ein. «Ich war damals sehr froh, dass Othmar übernimmt», erinnert sich Karl.  Die Firma wird umbenannt in K.+O. Heeb, Zimmerei Holzbau.  Othmar schliesst im Jahre 2006 die Polierschule ab und ist damit bereit für seine künftigen Aufgaben. Einer der ersten grossen Aufträge sind die Stallungen auf Däzzen. Zwischen 2012 und 2017 ist im Betrieb ein weiterer Zimmermann angestellt und im Sommer 2017 beginnt der erste Lehrling seine Lehre, welche er vier Jahre später mit Erfolg abschliesst.

Dank einer guten Zusammenarbeit mit befreundeten Holzbau- und Schreinereibetrieben kann Othmar Heeb auch grosse Aufträge übernehmen und ist dank diesem Netzwerk mit einem breiten Know-how ausgestattet. Der Lienzer Betrieb ist über die Region hinaus tätig und kann zwischen St. Gallen und dem Bündnerland auf eine treue Kundschaft zählen. «Es ist mir auch sehr wichtig, mit Lieferanten aus der Gegend zusammen zu arbeiten», so Heeb. So sei das ein Geben und ein Nehmen.

Am Handwerk selbst habe sich in den letzten Jahren nicht viel verändert, erklärt Othmar Heeb. Die Bürokratie habe jedoch stark zugenommen. Kunden wollen heute vorab oft eine Offerte und sind gut darüber informiert, was es auf dem Markt gibt.

 

Beratung wird geschätzt

Diese administrativen Aufgaben sind dank modernen technischen Hilfsmitteln am Computer zwar einfacher geworden, nehmen aber dennoch mehr Zeit in Anspruch.

«Ich begleite die Kundschaft gerne in der Planung und versuche stets, das Optimale herauszuholen», sagt er. Das werde jeweils sehr geschätzt. Im Büro wird Othmar von seiner Frau Fenessa unterstützt.

Holzbau hinterlässt einen guten ökologischen Fussabdruck und ist heute wieder sehr gefragt. «Schade nur, dass heute oft nicht mehr auf den konstruktiven Holzschutz geachtet, sondern eher auf Modetrends geschaut wird», so der Fachmann. Das sei mit der Zeit leider keine Werbung mehr für‘s Holz.

 

Text /Bilder: Heidy Frei